Hilfe gegen Migräne

Hilfe gegen Migräne

Zusammenfassung: Ein völlig neuer Migränewirkstoff kommt im November in die Apotheken – Erenumab. Es könnte ein Durchbruch für besonders stark von Migräne Betroffene sein. Im folgenden Artikel erfahren Sie mehr zur neuen Hilfe gegen Migräne.

Inhaltsverzeichnis

Migräne

Wer nicht betroffen ist, kann sich das kaum vorstellen. Migränekopfschmerzen gehen weit über normale Kopfschmerzen hinaus – auch mit einem selbstverschuldeten Kater hat das nichts zu tun. Zum Teil mehrmals im Monat setzen die stechenden Schmerzen ein und werfen die Betroffenen aus der Bahn. Migräne ist häufig: 6 – 8 Prozent der Männer und etwa jede fünfte Frau leiden daran. Und bei vielen kündigen sich, wie bei Melanie, die Kopfschmerzen durch eine Aura an.

Ursachen von Migräne

Was genau die Ursache für Migräne ist, ist unklar. Allerdings haben Wissenschaftler eine neue Theorie: „Wir vermuten, dass bestimmte Botenstoffe schmerzwahrnehmende Nervenfasern im Kopfbereich reizen“, sagt Dr. Stefanie Förderreuther. Die Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist Oberärztin an der Neurologischen Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität in München. „Wir haben nämlich beobachtet, dass während einer Migräneattacke der Botenstoff CGRP ausgeschüttet wird“, erklärt Dr. Stefanie Förderreuther.

So kommt es zur Migräne

CGRP steht für „calcitonin gene-related peptide“. Es handelt sich um ein Eiweiß, das die Gefäße im Gehirn weitet. Versuche haben gezeigt, dass die intravenöse Gabe von CPRG eine Migräne auslösen kann. Die Wissenschaftler vermuten, dass durch die Erweiterung der Gefäße eine Entzündung an den Nerven entsteht. Sie könnte die Ursache für die quälenden Schmerzen sein.

Wie wirkt Erenumab?

Aufgrund dieser Entdeckung haben die Wissenschaftler ein völlig neuartiges Medikament entwickelt. Erenumab heißt der Stoff – ein Antikörper, der die Wirkung des Botenstoffs CGRP am Schmerzrezeptor verhindert. Man müsse sich CPRG vorstellen wie einen Schlüssel, der ins Schloss, den Rezeptor, gesteckt werde. Erenumab blockiert das Schloss, CGRP kann nicht mehr andocken. So kann das Mittel Migräneanfälle verhindern, bevor sie entstehen.

Erenumab ist damit das erste Medikament, das gezielt gegen Migräne vorbeugen soll. Alle bisherigen Mittel wurden gegen andere Erkrankungen verwendet und wirkten zufällig prophylaktisch gegen Migräne-Attacken.

Erenumab Informationen

Erfolgschancen von Erenumab

Klinische Studien haben die Wirksamkeit von Erenumab inzwischen eindrucksvoll belegt: Menschen mit episodischer Migräne (durchschnittlich acht bis 14 Migränetage im Monat) hatten bei einer regelmäßigen Anwendung bis zu vier Schmerztage weniger. Und die Intensität der Schmerzen ging ebenfalls zurück. 40 Prozent der Patienten berichteten über deutlich abgeschwächte Beschwerden.

Noch besser wirkt das Mittel bei chronischer Migräne (mehr als 15 Migränetage im Monat). Von dieser besonders schlimmen Ausprägung der Migräne sind immerhin schätzungsweise 1,5 Millionen Deutsche betroffen. Hier konnten die Probanden nach der prophylaktischen Behandlung die Schmerztage nahezu halbieren. Sechs bis sieben Tage weniger Kopfschmerzen im Monat waren das Resultat der Erenumab-Therapie.

Spritze gegen Migräne

Das neue Medikament ist also besonders für Personen geeignet, die sehr oft und stark unter Migräne leiden, mindestens vier Mal im Monat. Damit Erenumab vorbeugend wirken kann, wird es alle vier Wochen unter die Haut gespritzt. „Die Injektion führen die Patienten selbst durch. Die Verwendung des Pens wird ihnen vorher von einem Arzt gezeigt“ sagt Dr. Charly Gaul, Facharzt für Neurologie und spezielle Schmerztherapie und Chefarzt an der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein.

Behandlung von Migräne-Kopfschmerzen

Als Nebenwirkungen sind aus den bisherigen Studien nur Juckreiz und eine Rötung der Einstichstelle bekannt. „Ob sich bei einer größeren Patientenzahl außerhalb der Studien noch neue Nebenwirkungen ergeben, kann man nicht vorhersagen“, sagt der Schmerzmediziner. Seit Juli 2018 ist das Mittel in der EU zugelassen. Im November soll es in deutschen Apotheken stehen, verschreibungspflichtig natürlich.

Und die Therapie hat ihren Preis: Etwa 500 Euro im Monat soll jede Spritze kosten. Für welche Patienten die Krankenkassen die Kosten übernehmen, ist noch unklar. Die Verhandlungen laufen.

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